Pflegefall Eltern – eine Gefahr für die Beziehung?


Wenn die Eltern alt werden, kann das auch für die eigene Beziehung zu einem Problem werden. Wie viel Unterstützung darf man von seinem Partner erwarten?

Im Idealfall sind unsere Eltern über Jahre die wichtigsten Bezugspersonen unseres Lebens. Sie sind unser Pfad ins Leben, unser Halt und unsere Orientierung. Sind sie zunächst in unseren Augen allwissend, so kommt irgendwann eine Zeit der kritischen Betrachtung und Abnabelung und meist, wenn wir selbst Eltern sind, nähern wir uns auf neue Weise wieder an. Häufig bleibt die Beziehung zu ihnen unser Leben lang ambivalent. Und niemand mag daran denken, wie es ist, wenn sich das Verhältnis irgendwann umkehrt und die eigenen Eltern uns mehr brauchen, als wir sie – ja, sie vielleicht sogar zum Pflegefall werden.

Für viele erwachsene Kinder beginnt mit den dann auftretenden Schwierigkeiten auch die Zerreißprobe. Nicht selten leben sie inzwischen viele Kilometer von den Eltern entfernt, sind berufstätig und haben eine eigene Familie. Die Eltern persönlich zu pflegen, ist somit nicht immer möglich – und auch nicht immer gewollt. Aber selbst die Organisation von Pflege und Betreuung ist ein Spießroutenlauf durch die Instanzen vieler deutscher Ämter. Hier sind starke Nerven gefragt – die Emotionen kochen hoch und manchmal rennt die Zeit davon.

Gut, wenn man dann in einer stabilen Beziehung ist. Zumindest in der Theorie – denn in der Praxis ist die Pflege der Eltern auch eine Prüfung für die eigene Beziehung. Zu hohe Erwartungen an den Partner, zu wenig Zeit, um miteinander zu sprechen und immer wieder die Unsicherheit: “Wie viel Anteilnahme und Unterstützung darf ich von meinem Partner bei dieser schwierigen Situation erwarten? Darf ich fordern und verlangen? Immerhin sind es ja meine Eltern und nicht seine.”

Zunächst muss man die Art der Schwierigkeiten unterscheiden, die auftreten können, wenn die Eltern hilfe- oder pflegebedürftig werden.

Praktische Hürden

Gerade zu Beginn einer veränderten gesundheitlichen Situation der Eltern treten häufig Probleme auf, die vor allem Zeit und Recherche erfordern: Pflegestufen, behindertengerechte Einrichtung, Fragen der Finanzierung, Sichten von Pflegeheimen oder Organisieren von Haushaltshilfen, Anträge über Anträge und immer wieder Ämter und Kassen, die sich querstellen. All’ das sind nerven- und zeitaufreibende Fragen und Probleme, die Antworten und Lösungen brauchen. Hier ist ein aufmerksamer Partner von unschätzbarem Wert. Man kann sicher nicht von jedem verlangen, sich in die Details einzuarbeiten, die Behördengänge zu machen oder die Schwiegereltern gar eigenhändig zu pflegen. Einfordern darf man aber Verständnis und auch ein Mindestmaß an Unterstützung – wenn schon keine direkte Hilfe, so doch wenigstens das Freischaufeln zeitlicher Ressourcen, um sich all dieser organisatorischen Fragen mit den Eltern annehmen zu können.

Emotionale Belastung

Viel schwerwiegender als die organisatorische Belastung sind oftmals die Emotionen, die es auslöst, die Eltern in Hilflosigkeit zu sehen und zu begreifen, dass man sie nicht ewig um sich haben wird. Bei vielen Menschen löst das nicht nur existenzielle Angst aus, sondern auch einen Schwall an Fragen und Selbstvorwürfen: Nicht immer liebevoll gewesen zu sein oder auch mal ungerecht, wiegt mit einem Mal sehr schwer und auch das Gefühl, nicht alles gefragt und gesagt zu haben, als es noch ging, wird zu einer Bürde. Hier kann man sicher Trost, Verständnis und zwei starke Arme erwarten, die einen halten, wenn man nach einem emotional erschöpfenden Tag nach Hause kommt. Gespräche, ein offenes Ohr, all’ das sind Dinge, die der Partner gern geben sollte und die Ihnen dabei helfen können, wieder Kraft und Energie
zu sammeln.

Zu einer guten Partnerschaft gehört es, sich beizustehen – nicht umsonst hieß es früher bei Schließung der Ehe: “Wie in guten, so in schlechten Zeiten.” Das sollte auch ohne Trauschein gelten.

 

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