Ukrainer setzen Zeichen gegen Separatisten


Friedensveranstaltung in Mariupol (Bildquelle: AFP)

Mit einem kurzen Warnstreik und ohrenbetäubendem Autohupen haben Zehntausende Bürger in der krisengeschüttelten Ostukraine ein Ende der Gewalt in der Region gefordert. Sie folgten damit einem überraschenden Aufruf des reichsten Ukrainers Rinat Achmetow zum friedlichen Widerstand gegen die pro-russischen Separatisten.

Achmetow hatte sich in der Nacht in einer dramatischen Videobotschaft gegen die Rebellen im Donezbecken gestellt. Er warf ihnen vor, dass in den Städten nun “Banditen und Marodeure” herrschten. Friedliche Bürger würden verschleppt. Die Menschen seien es leid, in Angst zu leben. Die Separatisten führten keinen Kampf zum Wohlergehen der Region, sagte Achmedow weiter: “Das ist ein Kampf gegen den Donbass. Das ist ein Völkermord am Donbass.” Donbass ist die russische Bezeichnung für das Kohle- und Industriegebiet im Donezbecken.

Achmetow, dessen Vermögen auf rund 15,4 Milliarden US-Dollar (11,2 Milliarden Euro) geschätzt wird, gab damit seine lange Zeit zurückhaltende Position in dem Konflikt auf. Bereits am Wochenende hatte er Stahlarbeiter und Kohlekumpel seines Unternehmen Metinvest in Marsch gesetzt. Sie räumten in Mariupol die Barrikaden aus Autoreifen und Paletten weg, die die Aufständischen nach der Vertreibung aus dem besetzten Rathaus zurückgelassen hatten. Außerdem begleiteten seine Angestellte die örtliche Polizei demonstrativ auf ihren Patrouillen.

Der Stahlmagnat dominiert die Wirtschaft in der rohstoffreichen Region. Sein Bekenntnis dürfte auch wirtschaftliche Gründe haben. Sollte der Donbass nicht von Russland annektiert werden, sich aber weiter der Zentralregierung in Kiew widersetzen, droht ihr die wirtschaftliche Isolation. Das dürfte den Export von Produkten aus Achmetows Unternehmen erheblich erschweren.

Auch der Bürgermeister von Donezk, Alexander Lukjantschenko, stellte sich gegen die Separatisten und rief die Bevölkerung auf, zeichen zu setzen. Er selbst weigerte sich, Forderungen der Rebellen nach einem Rücktritt nachzukommen.

Wenige Tage vor der Präsidentenwahl in der Ukraine an diesem Sonntag setzte die Führung in Kiew ihre “Anti-Terror-Operation” im Osten des Landes fort. Bei einem Schusswechsel nahe der Separatisten-Hochburg Slawjansk seien mindestens vier Soldaten leicht verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit.

Die Separatisten ihrerseits klagen zunehmend über die mangelnde Kampfbereitschaft der Bevölkerung. Der “Verteidigungsminister” der pro-russischen Kräfte, Igor Strelkow, kritisierte öffentlich, die Bewohner von Brennpunkten wie Slawjansk und Kramatorsk seien kaum bereit, zu den Waffen zu greifen, um ihre russisch geprägten Regionen zu verteidigen.

Er appellierte in einer Videobotschaft an die Bevölkerung, sich dem Aufstand gegen die ukrainische Regierung in Kiew schnell anzuschließen und forderte insbesondere Frauen auf, sich den Reihen der schwer bewaffneten Uniformierten anzuschließen.

Russische Militäreinheiten in den westlichen Regionen an der Grenze zur Ukraine haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums ihre geplanten Manöver abgeschlossen. Die Truppen würden nun, wie von Präsident Wladimir Putin angeordnet, ihre Lager in den Regionen Rostow, Belgorod und Brjansk abbauen. Der Rückzug erfolge in Etappen und per Zug, hieß es. Seitens der NATO hieß es dazu heute erneut, ein Rückzug sei nicht zu erkennen.

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